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13. September 2009 09:09
Das Phänomen des Krankwachsens
Es gibt im allgemeinen Sprachgebrauch die Redewendung, dass sich ein
Unternehmen gesundschrumpfen muss. Eine derartige Vorgehensweise ist notwendig,
wenn man über Jahre über die Verhältnisse gelebt hat und sich ein Schuldenberg
aufgebaut hat, der abgetragen werden muss. Was für Unternehmen gilt, sollte
auch für Volkswirtschaften gelten. In den USA und Grossbritannien, beides
Ökonomien, die hoch verschuldet sind, hat Helikopter-Bernanke etwas neues
erfunden, eine scheinbar revolutionäre Medizin: das Ausweiten des
Schuldenmachens zu Lasten der Bürger, um die Schulden der Banker zu sanieren.
Das Motto dieser kapitalistischen Boni-Diktatur lautet Wachstum um jeden Preis.
Wüssten wir jedoch nicht, dass jeder Dollar Bruttosozialproduktwachstum in den
USA 4 USD neue Schulden erzeugt, müssten wir intellektuell ebenfalls diesem
Wachstumswahn unterliegen. Doch was geschieht eigentlich wenn wider alle
Vernunft weitere Schulden gemacht werden? Nun, wir können mit Fug und Recht
davon sprechen, das dieser Vorgang das Gegenteil von Gesundschrumpfen ist,
nämlich das Krankwachsen.
Metastasenbildung
Was besonders stark wächst, wenn ein System vom Krebs befallen wird sind die
Metastasen. In der heutigen Zeit bildet das Krebsgeschwür die US-Notenbank und
die Metastasen sind Bubbles in allen Anlageklassen: Derivaten, Aktien,
Immobilien und Rohstoffen. Noch vor 6 Monaten lagen die US-Börsen im Koma,
bevor man Ihnen durch immense Liquditätszuflüsse wieder Leben einhauchte. Doch
diese Liquidität ist nicht von der Ökonomie erwirtschaftet worden, d.h. es
handelt sich um keine gesunde Liquidität, sondern eine kranke Liquidität, genannt
Schulden. Wenn sich die Metastasen immer weiter ausbreiten und den ganzen
ökonomischen Körper durchdringen, wie es heute geschieht dann entsteht ein
Hyber-Bubble, dessen Platzen dann nicht mehr durch weitere Schulden verhindert
werden kann und in der Folge ist der Patient tot. Man nennt dies den
Systemkollaps. Betrachten wir was in den zurückliegenden Jahrzehnten geschehen
ist, so kann man die Wirtschaftssteuerung als hyperflationär bezeichnen.
Deflationen und Inflationen in den unterschiedlichen Anlageklassen wechseln
sich in aller Regelmässigkeit und mit immer grösseren Amplituden ab, wobei der
im Verborgenen liegende Trend die Zunahme der Vermögensdisparität und die Enteignung
des Mittelstandes ist. Scheinbar unsichtbar werden immer grössere Bevölkerungsgruppen
in den Zustand der ökonomischen Sklaverei überführt.
Der Verschuldungskrebs
Die immer wieder entstehenden Blasen, denen seitens der Notenbank immer viel zu
spät entgegengewirkt wird, sind die Metastasen unseres heutigen
Zinseszins-Systems. Ein System welches dem Wachstumszwang unterliegt bildet
ständig neue Tochtergeschwülste. Damit werden die Heilungschancen der Ökonomie
mit jeder neuen Blase verschlechtert. Scheinbar ist niemand bereit heut sich
heute einzugestehen, dass der Sitz des Tumors die heutigen Notenbanken und
unser Geldsystem sind und dass die Therapie darin besteht diese zu eliminieren.
Das Zinseszins-System bildet heute die Basis dafür, dass der Verschuldungskrebs
invasiv wächst, d. h. in kurzer Zeit alle Bereiche des Finanzsystems infiziert.
Notenbanken zeigen wo immer sie auftreten ein invasives Verhalten. Das körpereigene
Immunsystem der Wirtschaft, der Markt, wird durch Bailouts, Kursmanipulationen
und Konjunkturprogramme, ausser Kraft gesetzt. Statt auf Therapie und
Bekämpfung der Ursachen zu setzen werden nur Symptome kuriert, die jedoch nicht
zu einer Heilung sondern lediglich zu einer Verschiebung des Tages der
Abrechnung führen. Krankwachsen anstatt Gesundschrumpfen führt zu immer mehr
Metastasen, die den notwendigen Wandel, das Aufkommen neuer Ideen und
Innovationen zwar aufhalten, jedoch nicht verhindern werden.
Millisekundenpleite
Je länger ein totgeweihtes System künstlich am Leben erhalten und durch
Dollardrogen in einen Rauschzustand versetzt wird, desto stärker wird sich
später der Wandel seinen Weg bahnen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sind der
Tumor und seine Metastasen so gross geworden, dass die Wirtschaft völlig
kollabiert. Dieses Phänomen, Crash genannt, könnte jederzeit wieder Ausmasse
annehmen wie der berühmte Wallstreet-Crash von 1987. Ein derartig starker
Abfall wurde von mir als Millisekundenpleite bezeichnet. Je mehr sich das
Krebsgeschwür der Notenbank ausbreitet, noch mehr Macht anhäuft wie jüngst
geschehen und je mehr Metastasen in den Assetklassen entstehen, desto
wahrscheinlicher wird ein Realtime-Crash, der sich innerhalb von Millisekunden
über den gesamten Globus ausbreiten kann. Die Folge ist eine Weltpanik
ungeheuerliches Ausmasses, die durch eine Weltmassenarbeitslosigkeit das
Potential hat auch viele politischen Systeme bei den nächsten Wahlen, sofern es
diese überhaupt noch gibt, hinwegzufegen. Wir leben in einer Phase des Übergangs
zu einem neuen Kondratieff-Zyklus. Dass solche Übergänge nicht schmerzlos
vonstatten gehen und immer von sehr starken Turbulenzen begleitet sind, werden
wir uns in den kommenden Monaten und Jahren auf sehr starke Volatilitäten an
den Finanzmärkten einstellen müssen. Welcome in the real-time World!
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