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22. April 2009 23:29
Ja der alte Spruch von Norbert Blüm, ich weiß gar nicht mehr wie oft ich diesen in der Vergangenheit bereits zitiert und in meine Publikationen eingebaut habe. Die Rente ist natürlich auch sicher, da hatte Herr Blüm auch vollkommen recht, nur die Höhe der Rentenzahlungen in der Zukunft und deren Kaufkraft ist natürlich stark fraglich. Das einzige was im Zusammenhang mit der Rente allerdings sicher ist, ist Ihr persönliches Biometrisches Risiko. Kennen Sie das überhaupt?
Was bedeutet eigentlich Biometrisches Risiko?
Sie sollten wissen, dass Sie als Rentner oder zukünftiger Rentner in Deutschland einem sogenannten „Biometrischen Risiko“ unterliegen. Ökonomisch betrachtet werden die „Alten“, die körperlich nicht mehr in der Lage sind, den Anforderungen eines aufreibenden Arbeitslebens nachzukommen, „aussortiert“. Die meisten von ihnen bereits längst bevor Sie das staatlich definierte Rentenalter von 67 Jahren erreicht haben.
Für all diese Menschen gibt es in unserer Gesellschaft das „Biometrisches Risiko“, ein Begriff, welchen auch die Rürup-Kommission mitgeprägt hat. Ein wichtiges Ziel, wenn nicht gar das Hauptziel der Rürup-Komission war die Konzeption eines Rentenkonzeptes und Altersvorsorgemodells, welches Bürger eben gegen dieses Risiko versichern will.
Biologie versus Ökonomie
Ihr persönliches biometrisches Risiko besteht nun darin, dass Sie – hoffentlich – eine Lebenszeit haben, welche länger ist als Ihre Lebensarbeitszeit. Dabei fallen Biologie und Ökonomie auseinander. Es ist in unserer Gesellschaft ein Risiko, länger zu leben, als man in der Lage ist zu arbeiten, weil die Einkommensquelle entfällt. Eine erschütternde Wahrheit, welche die Rürup-Kommission auch offen ausgesprochen hat. Selbst wenn ein Arbeitsleben 30 oder 40 Jahre gedauert hat, ist es in der Mehrzahl aller Fälle so, dass während dieser Zeit nicht genug Vermögen angehäuft werden konnte, von dem man im Alter dann zehren und sich ein nettes Leben machen könnte. Für die jungen Generationen wird dieser Effekt noch weitaus
dramatischer ausfallen, das Wort „Altersarmut“ wird in unserer Gesellschaft ganz zwangsläufig Einzug halten.
Die OECD hat auch andere Listen als die Steueroasenlisten
Ich möchte einmal vor allem wieder in Erinnerung rufen, wie wichtig der Vermögensaufbau und die Altersvorsorge - gerade auch im Hinblick auf dieses Biometrische Risiko - ist. Jungen Menschen in Deutschland droht im Alter die Armut.
Zu diesem Fazit kam auch vor einiger Zeit eine Studie der Industrieländerorganisation OECD mit dem Titel „Renten auf einen Blick“. Es ist keine Überraschung, dass dabei das Fazit gezogen werden kann: je geringer das Arbeitseinkommen, desto höher ist das Risiko der Altersarmut. Junge Generationen in Deutschland können laut dieser OECD Studie (welche weit vor der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise entstanden ist) lediglich mit einer gesetzlichen Rente in Höhe von 39% Ihres Bruttoeinkommens rechnen. Unter allen Industrieländern ist die Bundesrepublik damit Tabellenletzter.
Sparpläne sollten von der Abgeltungsteuer ausgenommen werden
Aber selbst diese Quote von 39% ist in Zukunft keineswegs sicher! Die OECD sah dabei vor allem die Gefahr, dass Deutschland in die Armutsfalle läuft. Gerade auch die Abgeltungsteuer ist für junge Anleger in der Vermögensaufbauphase ein zusätzliches großes Hindernis, wenn Sparpläne nicht über privilegierte Strukturen (beispielsweise staatlich geförderte Modelle wie Riester, Rürup oder Lebensversicherungen) umgesetzt werden. Hier sollte man nun endlich Ordnungspolitisch entgegensteuern. Also vor allem seitens der Finanzpolitik. Ein Vorschlag und eine sehr wichtige und einfache Möglichkeit wäre beispielsweise, die Abgeltungsteuerfreiheit und Förderung von langfristigen Investmentfondssparplänen. Beispielsweise könnte man einen sinkenden Steuersatz anwenden, je länger ein Sparplan läuft. Oder man könnte beispielsweise definieren, dass Sparpläne pauschal nach 10 Jahren Laufzeit steuerfrei wären.
Derartige ordnungspolitische Modelle hätten aus meiner Wahrnehmung weit mehr Berechtigung und Wirkung als Fehlsteuerungen wie „Steuererklärungsnichtabgabeprämien“, Abwrackprämien oder sonstige, viel zu kurzfristig gedachte staatliche Eingriffe. Bildungs-, Kinder- oder Altersarmut und die gezielte Vorsorge vor diese Gefahren und Risiken - wie beispielsweise das Biometrische Risiko - müssen endlich viel gezielter beachtet werden.
Die Frage ist einfach: „umgehen wir Risiken oder gehen wir gezielt und bewusst mit Risiken um? Aus meiner Sicht werden derzeit viel zu viele Risiken einfach nicht wahrgenommen oder beachtet. Das wird sich eines Tages rächen.
Ihr
Markus Miller
Gründer und Herausgeber GEOPOLITICAL.BIZ
www.markus-miller.com oder
www.geopolitical.biz
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