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Was ist ein „Crack up Boom“?

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8. April 2009 15:19

aus dem BE postings[3]
Eigentlich hört sich das Wort „Crack up Boom“ sehr positiv an, jedoch hat dessen Erfinder „Ludwig von Mises (1883-1971) auch das Wort „Katastrophenhausse“ verwendet und dieses klingt dann gar nicht mehr so positiv. Aber was will man mit diesem Wort eigentlich aussagen?

Der „Crack up Boom“ oder die „Katastrophenhausse“ wurde erstmalig von Ludwig von Mises, einem der bedeutendsten Vertreter der „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“, beschrieben. Laut ihm steuert eine Volkswirtschaft, die durch das Auseinanderdriften von Finanz- und Realwirtschaft gekennzeichnet ist, auf einen Punkt zu, ab dem die Inflation ausser Kontrolle gerät. In dieser Phase sind der Staat und auch die Notenbank nur mehr damit beschäftigt, die Konjunkturschwäche durch Eingriffe in die Wirtschaft zu bekämpfen. Irgendwann kommt es zu dem Punkt an dem die Bürger bzw. auch die Wirtschaftstreibenden das Vertrauen in die Papierwährung verlieren und sie beginnen das Geld in Sachwerte umzuschichten. Diese Nachfrage nach Sachwerten führt zu einem Boom, der getrieben wird von der Angst, dass das Geld immer weniger Wert wird. Dabei wird jede Art von Sachwerten gekauft, ob dies nun Autos, Lebensmittel, Rohstoffe, Gold, Silber, Schmuck, Immobilien oder auch Aktien sind. Jeder versucht nur so schnell wie möglich sein Geld loszuwerden. Laut von Mises stellt dies die letzte Phase eines Papiergeldsystems dar, in welcher die Preise für Güter und Dienstleistungen durch die Decke gehen. Die dabei auftretende Preisexplosion führt zu einer Hyperinflation von mehr als 50% pro Monat. Am Ende so eines „Crack up Booms“ bleibt nur noch eine Währungsreform übrig.

Der letzte „Crack up Boom“


Der letzte in der mitteleuropäischen Geschichte stattgefundene „Crack up Boom“ war die Hyperinflation in Deutschland zwischen 1920 und 1923. So stieg der Aktienindex in Deutschland von 20 Punkten im Oktober 1922 auf 269.000.000.000 Punkte im Dezember 1923. Im selben Zeitraum stieg der Lebensmittelindex von 220 Punkten auf 1.247.000.000.000 Punkte. Im Durchschnitt lag die Inflation in diesem Zeitraum bei über 300% pro Monat. Die Situation konnte am Ende nur mit der Einführung einer neuen Währung (Rentenmark) Ende 1923 bereinigt werden. Auch wenn die Ausgangslage damals ganz anders lag, waren doch die beiden Hauptursachen hohe Verschuldung und ein Papiergeldsystem.

Das Erschreckende an der Beschreibung des „Crack up Booms“ von „Von Mises“ ist, dass es sich fast wie ein aktueller Wirtschaftsbericht liest.

Das neue Finanzwelt-Vokabular - ab sofort jeden Mittwoch im BE.






Quelle: Wirtschaft und Statistik, www.dhm.de
Quelle: Wirtschaft und Statistik, www.dhm.de

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  • 2009-04-08 22:23:46
    Hondo

    Stimmt die Ausgangslage war eine komplett andere. Deutschland hat damals die Kriegsschulden aus WWI mit gedrucktem Geld zurück bezahlt und das Vertrauen in die Währung bzw die Politik allgemein war im Übergang von der Monarchie zur Republik eine ganz andere wie heute.

    Damals gabs auch noch kein Internet und wer weiß, vielleicht schaffen wirs diesmal damit sogar, eine weltweite Hyperinflation herbeizureden?

    antworten

  • 2009-04-08 22:53:41
    Marc Bettinger

    Werter Hondo...

    ...die Staatsverschuldung (selbstverständlich BIP-Bereinigt) von Deutschland ist heute höher als nach dem 1. Weltkrieg. Die Schattenhaushalte durch die Sozialsysteme noch gar nicht berücksichtigt (Stichwort künftige Beamtenpensionen). Aber selbstverständlich kann man die Situation nicht vergleichen, wir haben heute auch keine Franzosen die das Ruhgebiet besetzen und jeden Monat Ihre Reparationen in Goldmark einfordern.

    Heute geben uns die Zentralbanken mit Ihrem quantitative Easing den Rest. 99% der Bevölkerung versteht die Bedeutung unseres Schuldgeldsystems nicht. Das ist natürlich auch gut so, es würde den Zusammenbruch des Papiergeldsystems noch wesentlich beschleunigen und ich habe noch lange nicht die Bestände an physischem Silber, die ich haben will. Ich kann nicht mehr tun als hier im Blog immer wieder darauf hinzuweisen, dass verschiedene Sollbruch-Stellen im Geldsystem vorhanden sind. So brechen auf Zinses-Zins basierende Geldsysteme immer nach einer gewissen Zeit zusammen, das ist angewandte Mathematik.

    Wieviele Jahre noch bis zum Crack up Boom? Vermutlich keine 10 mehr, da leg ich mich fest.

    Beste Grüsse

    Marc Bettinger

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  • 2009-04-09 09:31:33
    Joachim Brunner

    Hallo Hondo!

    Es stimmt die Ausgangslage war eine andere, aber die Beschreibung vor allem der Voraussetzungen eines „Crack up Boom´s“ von „von Mises“ lassen sich erschreckend auf unsere Zeit übertragen. Immerhin muss man bedenken, dass er das vor mehr als 70 Jahren geschrieben hat. Es ist schon klar, keiner kennt die Zukunft, aber wer die Vergangenheit nicht kennt, hat keine Chance sich auf unsere mögliche Zukunft vorzubereiten.

    „Herbeireden einer Inflation bzw. Hyperinflation“

    Lieber Hondo! – man kann viele Dinge herbeireden aber die Inflation zählt dabei aber sicher zu den schwierigsten Dingen. Warum?
    Weltwirtschaftskrisen wie diese führen allgemein zu Verunsicherung und Pessimismus. Der Konsument und Bürger reagiert darauf zuerst mit Kaufzurückhaltung und sparen. Damit schwächt er erst tatsächlich die Konjunktur und die Nachfrage nach Produkten. Die Wirtschaft im allgemeinem reagiert mit Kaufanreizen also billigeren Preisen und die Rohstoffe sinken, da die Nachfrage zurückgeht. Damit tritt eigentlich genau das Gegenteil von Inflation ein, nämlich Deflation. In so einer Deflationsphase befinden wir uns gerade, denn die Preise fallen nun schon seit geraumer Zeit und die Inflation ist auf Rückzug.

    Daher verursacht in der Regel Pessimismus eher Deflation, während der Optimismus die Inflation fördert.

    Die einzige wirkliche Ausnahme ist der „Crack up Boom“, denn hier verursacht, der Pessimismus eine Sonderkonjunktur und stark steigende Nachfrage.

    antworten


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