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Kursexplosion belegt Skandal bei Bankenhilfe

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30. November 2008 12:18

Mit „Ein Skandal“ beurteilte Paul Krugman, seines Zeichens Wirtschafts-Nobelpreisträger, die staatliche Bankenhilfe für die Citibank in seinem New York Times-Blog. Das vorigen Sonntag gewährte Vorzugskapital von 27 Mrd. US$ zu 8% sei ein „lausiger Deal für die Steuerzahler“. Die nachfolgende Börsenentwicklung zeigt, dass Krugman mit Recht so scharf formulierte: Von einem Tief bei 3,05 US$ am Freitag vor dem Bailout schoss die Aktie der geretteten Bank auf einen Schlusskurs von 8,29 US$ am Freitag. Mit dieser Verdreifachung stieg der Marktwert der Bank in nur 3,5 Handelstagen von 16 auf über 45 Mrd. US$.

Mit 28 Mrd. US$ profitierten also die Aktionäre in wenigen Tagen von dieser Hilfsaktion, während die Gemeinschaft aller amerikanischen Steuerzahler für ihre Hilfe noch viele Jahre gerade stehen muss. Finanzmathematisch gesehen wanderte der gesamte Hilfsbetrag Dollar für Dollar in fremde Taschen.

Ist das notwendig? Nein. Wäre der - unbestritten dringend erforderliche - Deal mit einer „Liquidation Preference“-Klausel ausgestattet gewesen, wie sie etwa bei Hochrisikofinanzierungen häufig bedungen wird, so wären die amerikanischen Steuerzahler bereits In-the-Money. Zumindest hätte der Deal aber marktkonform bepreist werden können, etwa mit 11% wie das 7,5 Mrd. US$ Investment in die CitiGroup durch die Abu Dhabi Investment Authority im Vorjahr oder zumindest mit 10% wie das jüngste Investment von Warren Buffet in Goldman Sachs.

In Großbritannien wurde durch Gordon Brown bekanntermaßen ein weitaus ausgewogeneres Paket mit 12% Vorzugsdividende und einer bevorzugten Tilgung verhandelt. Die Londoner Börsenkurse reagierten in der Woche nach der Bekanntgabe zunächst positiv, dann ausgeglichen, was somit nicht auf eine spektakuläre Übervorteilung der Steuerzahler schließen lässt. Im Gegenteil, das Programm war eher etwas zu hart gestaltet, weshalb die Briten in einigen Punkten nachbesserten.

Wer sich jetzt an das 8%ige Partizipationskapital des Bankenhilfspakets in Österreich erinnert, ist vielleicht hellhörig geworden. Die EU-Bewilligung für das Programm liegt wohl mit gutem Grund noch nicht vor. Wegen der absehbaren Umverteilungseffekte zwischen den Kapitalschichten sollten die Strukturierung (etwa Partizipationskapital vs. Vorzugsaktien) und die Konditionen schnellstens überdacht werden. Eine Lösung soll die Banken retten, aber ohne gleichzeitig die Steuerzahler zu übervorteilen. Und die Verantwortlichen sollten sich plastisch vor Augen führen, dass die Wahrheit über jede Unausgewogenheit sofort durch die Börsenkurse offenkundig würde.

Moral:

Nur ein starker sozialer Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen zwischen Bevölkerung, Regierung und Banken erlaubt die raschen und großvolumigen Hilfen, welche die drohende Wirtschaftskrise noch abwenden können. Die Übervorteilung einer Gegenseite mit weniger Investmentbank-Knowhow wäre also nicht nur ethisch bedenklich und ein moralisches Armutszeugnis, sondern würde unweigerlich zu Unmut und steigendem Widerwillen der Bevölkerung führen. Völlig unnötig würde der Finanzsektor noch weiter in Misskredit gebracht, obwohl gerade dieser – nach einigen institutionellen Verbesserungen – der Schlüsselfaktor für eine rasche Erholung und neue Prosperität der Realwirtschaft sein wird.

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