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Befragung zum Glücksspielverhalten und zur Glücksspielsucht

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12. Dezember 2006 13:17

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Im Auftrag des Bremer Instituts für Drogenforschung und gefördert durch den Verband der Lottovermittler befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest Sozialforschung GmbH im November und Dezember 2006 insgesamt 8.000 in Deutschland lebenden Personen zu ihrem Glücksspielverhalten. Die Ergebnisse dieser Befragung stellt erstmalig ein repräsentatives Abbild des Glückspielverhaltens der Deutschen dar.

Nahezu 40% der befragten Personen nahmen im Laufe der zurückliegenden 12 Monate an einem Glücksspiel teil. Genau ein Drittel aller befragten Personen nahm im zurückliegenden Jahr am Zahlenlotto ("6 aus 49") teil; es folgen Rubbellose (12%), Glücksspirale (6%), Klassenlotterien (5%), Sportwetten (4%), Spielautomaten (3%) und Casinospiele (3%). Die Mehrheit dieser Spieler hat sich an mehreren Spielarten beteiligt. Lediglich bei den Teilnehmern des Zahlenlottos geht ein beachtenswerter Anteil von 46% ausschließlich dieser Glücksspielart nach.

Personen, die mindestens wöchentlich spielen bzw. mehr als EUR 50 im Monat für Glücksspiel ausgeben, wurden gebeten, einen Test ("Das diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen": DSM-IV) zur Bestimmung eines möglichen pathologischen Spielverhaltens zu absolvieren. Nach den Ergebnissen dieses Tests erfüllen 0,5% aller 8.000 befragten Personen in Bezug auf das zurückliegende Jahr die Kriterien einer
Spielsucht. Die Prävalenz pathologischen Spielens in Deutschland liegt somit im internationalen Vergleich über den Werten aus Norwegen (0,15%) und Großbritannien (0,3%), aber unter Schweden (0,6%), der Schweiz (0,8%) und Spanien (1,7%).

Das Spielen um Geld gilt in der Glücksspielforschung insbesondere dann als besonders suchtgefährdend, wenn es mit einer raschen Spielabfolge (hohe Ereignisfrequenz) und einer kurzen Zeitspanne zwischen dem Geldeinsatz und der Bekanntgabe des Spielergebnisses und
der Auszahlung eines möglichen Gewinns verbunden ist. Insbesondere die Casinospiele und die Geldspielautomaten, aber auch Rubbellose und bestimmte Formen der Sportwette erfüllen diese Kriterien.

Auf das Zahlenlotto, mit seiner vergleichsweise geringen Spielfrequenz (zwei
Ziehungen pro Woche) und der in der Regel großen Zeitspanne vom Ausfüllen der Tippscheine bis zur Ziehung der Zahlen treffen sie hingegen kaum zu. Als eine empirische Bestätigung dieses letztgenannten Sachverhaltes kann die sehr geringe Verbreitung
pathologischen Spielens von 0,33% der ausschließlichen Lottospieler angesehen werden. Dieser Personenkreis ist somit nur einem äußerst geringen Risiko ausgesetzt, ein Spielproblem zu entwickeln.

Spielautomaten bergen hingegen ein sehr hohes Suchtpotential. Jeder zwölfte Spieler dieser Glücksspielart (8%) ist von einer Spielsucht betroffen. Neben den Automaten spielen diese Personen noch eine Vielzahl anderer Glücksspiele. Hierzu gehören sowohl die klassischen
Lotterien als auch Casinospiele und Sportwetten. Vergleicht man die Geldeinsätze für die Lotterien auf der einen Seite und für die Automaten, Pferdewetten, Sportwetten und Casinospiele auf der anderen, so zeigen sich hier gravierende Unterschiede. Während die
Hälfte der pathologischen Automatenspieler nur maximal 20 Euro für Lotterieprodukte im Monat ausgeben, sind es 130 Euro in Bezug auf die anderen Glücksspielarten. Anzunehmen ist, dass diese Personen an den Lotterien teilnehmen, in der Hoffnung, durch einen großen Gewinn bestehende Spielschulden ausgleichen und das zukünftige Spielen finanzieren zu können.

Die hohen finanziellen Belastungen der pathologischen Automatenspieler werden auch an dem Anteil deutlich, den sie am gesamten Umsatz mit dieser Glücksspielart haben. Nach den Ergebnissen dieser Befragung stammen 40% aller für Spielautomaten getätigten
Geldeinsätze von Personen, die ein pathologisches Spielverhalten aufweisen. Bei den klassischen Lotterieprodukten liegt dieser Anteil hingegen bei sehr geringen 2% bis 3%.



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  • 2006-12-12 15:26:24
    scherf.com

    Online Gambling ist die süchtigste Form des Glücksspiel

    In der oben erwähnten Studie hätte man auch Online Gambling inkludieren sollen, die die süchtigste Form des Glücksspiel ist.
    Der Grund dafür ist wie auch in der oben angeführten Studie hinsichtlich Spielautomaten, das rasche Ereignins zwischen Einsatz und Spielergebnis. Zugleich macht Online Gaming noch süchtiger als Spielautomaten, da z.B. auch die Hemmschwelle zum Access zu einem Spielautomaten wegfällt, und jeder bequem und ungehemmt von zu Hause aus im PJ via PC das Spiel betreiben kann.

    U.S. Studien hinsichtlich Video Games zeigen, dass bereits Kinder die stundenlang täglich mit einem Video Game verbringen zu den perfekten Spielern erzogen werden, ... vor allem wegen dem Competitive Spirit und die Resultat Orientierung. In dieser Hinsicht ergab sich als Resultat dieses Verhaltens eine enorme Ausbreitung von Casinos und Casinospielen in den letzten 15 Jahren innerhalb der USA mit einer Boom Industry wie sie noch selten davor in der Geschichte vorzufinden war.

    Online Gaming ist auch der Grund für viele finanzielle Schwierigkeiten der Online Spieler, wobei aufgrund diverser Studien ca. 45% aller Online Spieler als der Spielsucht verfallen zu kategorisieren sind, ... das sind Personen die nicht unproblematisch das Spiel am Computer jederzeit beenden könnten.

    antworten

  • 2006-12-12 22:33:05
    T.C.

    ad. scherf

    Lieber Herr Scherf, wir haben ja schon öfters im Forum miteinander über den Glückspielbereich diskutiert und uns in manchen Punkten sogar angenähert - auch wenn wir eine völlig gegensätzliche Rechtsauffassung vertreten.

    Nun was die Suchtproblematik betrifft, sollten Sie für mein Empfinden sensibler mit ihren Daten und Interpretationen umgehen.

    1. Sie unterscheiden (absichtlich?) nicht zwischen Spielsucht und Glücksspielsucht. In der Sozialforschung sind das aber zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe, die aus triftigen Gründen nicht in einen Topf geworfen werden. Auf die Spielsucht (Computer-, Video- und Online-Games) werde ich hier nicht näher eingehen, weil sie nicht Thema dieser Diskussion ist.

    2. Während Martin Arendts seine Quellen nennt und damit auch jedem die Möglichkeit gibt, diese auf ihre Gültigkeit und Zuverlässigkeit hin zu überprüfen, sprechen Sie nur allgemein von US Studien (nur Video-Games?) ohne auf diese genauer einzugehen oder gar die Quellen zu nennen. Das ist mir deshalb wichtig, weil es inzwischen eine große Anzahl an Studien gibt, die nicht einmal im Ansatz einen Qualitätsstandard erfüllen.

    3. Sie behaupten, dass Online-Gambling die süchtigste (meinen Sie süchtig machendste?) Form des Glücksspiels darstellt - wie kommen Sie darauf? Diese Studie würde mich nun wirklich brennend interessieren! Ehrlich gesagt kenne ich keine einzige empirische Studie, die das belegt.

    Alle umfassenden Studien, die mir bekannt sind kommen zu dem Ergebnis, das Spielautomaten das bei weitem größte Suchtpotential aufweisen.

    Damit Sie verstehen was ich unter Qualitätsstudie verstehe, habe ich eine schweizer Studie als Beispiel für Sie ausgewählt, die auch online zugänglich ist:
    http://www.ofj.admin.ch/etc/medial...

    Sie ist sehr umfangreich........ behandelt dafür aber ZAHLREICHE relevante Aspekte, die in anderen Untersuchungen nicht einmal angedacht werden.

    antworten

  • 2006-12-13 06:06:09
    scherf.com

    Online Gaming hat das grösste Suchtpotential bei Glücksspiel

    TC, wie Sie bereits wissen, sind wir mit unserer Cascada Corp. seit vielen Jahren im Bereich des Casino Resort Development und Consulting tätig.
    Es gibt unzählige Studien, und wir lesen laufend Studien dieser Art zumal wir Referenzen und Ansatzpunkte für unsere eigenen Researchberichte benötigen.

    Spielsucht sowie Glücksspielsucht werden psychologisch unterschieden, doch in den Zusammenfassungen vieler U.S. Studien inkl. unserem eigenen Research in Zusammenarbeit mit den grössten Casino Resortunternehmen der Welt, wurde deutlich festgestellt, dass eben Spielsucht sowie Glücksspielsucht heutzutage praktisch Hand in Hand gehen. Die Erziehung von Spielern via Video Games, kommt den Casinos, und insbesondere den Online Casinos, zugute. Echtgeld Spiele bringen mehr Challenges, Risken und Excitement. Und sobald jemand (ca. 45% der Gruppe) die Hoffnung hat mit Spiel auch einen finanziellen Gewinn zu erzielen, so steigt die Intensität des menschlichen Spieltriebes. Man sieht dies insbesondere bei Sportwetten. Man will was riskieren um einer Wette Substanz zu verleihen.

    Die neuen Slot Machines sind Videoterminals, die von Video Games abgeleitet wurden. D.h. Video Games erziehen Spieler für die Casinos - jeder Casinoexperte wird ihnen das bestätigen. Und Online Casinos sind nichts anderes als sophisticated Video Terminals.
    Allein eine kurzfristige Beobachtung eines Casino Floors oder von Online Casino Gamers bestätigt dieses Verhalten.
    Wir kommunizieren laufend mit den Top Casinoleuten und Online Gaming bzw. Video Slots/Terminals sind die leichteste und profitabelste Art den Leuten das Geld abzuköpfen, da sie die Spieler süchtig machen.

    antworten

  • 2006-12-13 15:53:28
    T.C.

    RE scherf.com

    Herr Scherf vorweg, ich weiß, dass Sie seit Jahren im Bereich Casino Resort Development und Consulting tätig sind und über gute Kontakte zu den Casinobetreibern verfügen. Es liegt mir auch fern, ihre erfolgreiche Tätigkeit in diesen Bereichen in Zweifel zu ziehen. Das hat für mich keine Relevanz und ich wünsche Ihnen auch in Zukunft viel Erfolg für ihre vielfältigen Geschäfte.

    Mich interessieren vor allem die sachlichen Themen und dementsprechend jene Informationen auf die sich ihre Aussagen beziehen. Ohne eine genauere Definition dieser Informationen ist es mir nicht möglich diese nachzuvollziehen, mit meinen eigenen Unterlagen zu vergleichen und daraus weitere Rückschlüsse abzuleiten. Das hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun, aber ich gehöre nun mal zu den Leuten die nicht einfach glauben, sondern denken - und für mein Gehirn brauche ich daher auch den nötigen "Input". Vielleicht liefern Sie mir ja neue Erkenntnisse.

    Daher interessiert mich, ob es sich um empirische Studien oder Marktforschungsstudien handelt, wer diese Studien durchgeführt hat, welche Fragestellungen untersucht wurden, wie groß die Stichproben waren und wie sie sich zusammengesetzt haben, welche Faktoren berüchsichtigt wurden, wie das Untersuchungsdesign ausgesehen hat, welche Methoden eingesetzt wurden, ob es sich um quantitative oder qualitative Studien gehandelt hat... etc., etc.....

    In dieser Hinsicht sind Sie mir eine Antwort schuldig geblieben.

    Zwischen Spielsucht und Glücksspielsucht wird nicht nur auf psychologischer Ebene unterschieden, sondern auch in anderen Disziplinen (die Motive sind unterschiedlich).

    Die Glücksspielforschung beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Suchtproblematik. Tatsache ist, dass es inzwischen Forschungsgruppen (vor allem auch im deutschen Sprachraum) gibt, die sich inter- bzw. transdisziplinär mit dieser Problematik auseinandersetzen.

    Z.B. die Interdisziplinäre Suchtforschungsgruppe Berlin an der Berliner Charité unter Leitung von Sabine Grüsser Sinopoli, die Gruppe um Jan Reuter und Christian Büchl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die Bremer Glücksspielforscher Gerhard Meyer, Meinhof Bachmann und Tobias Heyer, Robert Wood und Robert Williams von der University of Lethbridge in Kanada etc. (Ich könnte noch mehr nennen). Die schweizer Gruppe habe ich Ihnen ja schon bei der oben genannten Studie vorgestellt.

    Inzwischen sind bereits viele Faktoren der Glücksspielsucht bekannt, andere sind noch nicht eindeutig geklärt, wie z.B. die Entstehung der Abhängigkeit. Reuter und Büchel haben in Magnetresonanztomographie-Untersuchungen (2005) nachgewiesen, dass das mesolimbische System (Belohnungsnetzwerk, Nucleus accumbens) eine wichtige Rolle bei der Suchtentwicklung spielt (wie übrigens auch bei Kokain, Heroin & Co). Es lassen sich signifikante Unterschiede im Erregungsmuster zwischen pathologischen Glücksspielsüchtigen und gesunden Personen feststellen.

    Die meisten Forscher gehen von einer Verhaltensstörung und einem begleitenden Kontrollverlust aus. Wodurch diese ausgelöst werden ist nicht ausreichend abgesichert und derzeit Thema einiger Forschungprojekte. Als Ursache werden genetische Prädispositionen, psychische Störungen, Stress etc. vermutet.

    Als relativ sicher gilt, dass die Ereignisfrequenz die Suchtgefahr wesentlich beeinflusst (wie es eben bei Glücksspielautomaten der Fall ist) und gerade die Ereignisfrequenz von Glücksspielautomaten wurde erst dieses Jahr sowohl in Österreich als auch in Deutschland per Gesetz verkürzt.

    Das moderne Slot Machines heute Videoterminals sind, die Video Games nachempfunden werden, spiegelt unsere Gesellschaft wider. Wir leben im Computer-Zeitalter, das Internet gehört zu unserer Kultur. Wir sollten lernen richtig damit umzugehen und auch unseren Kindern und Jugendlichen einen vernünftigen Umgang beibringen. Wir können die technologische Entwicklung weder verleugnen noch rückgängig machen.

    Alle Suchtexperten fordern eine aktive Prävention und einen sinnvollen Spielerschutz (auch für Casinos und Geldspielautomaten), aber - wie ich - sind einige Forscher der Meinung, dass gerade im Internet gute Möglichkeiten bestehen ein problematisches Suchtverhalten zu erkennen und die betroffenen Personen durch Sperre des Accounts auszuschließen.

    Und es gibt tatsächlich auch Glücksspielforscher, die Spekulationen an der Börse als Glücksspiel interpretieren. (Hat nicht Herr Elsner....)

    (Einen Überblick über die Arbeiten der deutschen Forscher bringt übrigens Daniela Simon von der Humboldt-Universität Berlin in ihrem Artikel "Pokern mit der Maus" in Gehirn&Geist 12/2006)

    antworten


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