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18. September 2008 07:59
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Die Kreditkrise nimmt inzwischen immer mehr Platz in den Boulevard-Medien ein. Die Turbulenzen sind definitv beim Volk angekommen. Exemplarisch dafür sind die Leiden von Frau Hotz. BLICK hat ihre Erfahrungen mit der Börse niedergeschrieben und ich noch meinen Senf dazugegeben. Wohl bekomms!
Am meisten Wut habe sie heute auf sich selber, sagt Sarah Hotz (Name geändert), weil sie sich überreden liess, überhaupt ein solches Produkt zu kaufen. Ich wollte ja etwas absolut Sicheres.
Soviel Erkenntnis trifft man selten an. Sie ist sich bewusst, dass sie die Entscheidungen für ihre Investitionen selbst getroffen hat.
Vor drei Jahren schlummerte besonderes Geld auf ihrem Credit-Suisse-Konto: eine Erbschaft vom Grossvater in der Höhe von 30'000 Franken. Auf diesem Konto wollte es Sarah Hotz bis auf weiteres auch belassen. Eines Tages, so dachte sie, werde sie sich damit eine Reise oder sonst etwas Schönes gönnen. So wäre es auch gekommen, wenn die CS nicht ein Geschäft mit dem Geld gerochen hätte. Die Bank habe ihr sicher sechs Mal angerufen. Es sei doch schade, so viel Geld auf dem Konto liegen zu lassen, sagte der Bankberater immer, man könne doch etwas Besseres damit machen.
So wie der Friseur immer etwas mit Ihren Haaren machen möchte, so sind die Banker auf Ihr Geld fixiert.
Sarah Hotz sagt ein Mal ab, zwei Mal ab, drei Mal ab.
Umsatz orientierte Banker können ganz schön hartnäckig sein. Bei mir hat bis jetzt erst der Tiefkühlservice und die deutsche Landeslotterie dreimal angerufen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nichts von meinem Grossvater geerbt habe.
Doch schliesslich willigt sie zu einem persönlichen Gespräch ein. Dabei stellt sie gleich zwei Dinge klar, sie verstehe nichts von Geldanlagen und sie will keine Risiken eingehen.
Kommt Zeit, kommt Verführung. Irgendwann werden fast alle schwach. Die Callcenter haben so ihre Erfahrungswerte.
Ist doch kein Problem, eine Bank wie die Credit Suisse hat auch für risikoscheue Kunden genau die richtige Geldanlage.
Ich muss wieder an den Friseur denken...
Der Bankberater macht Sarah Hotz ein Produkt von Lehman Brothers schmackhaft - eines, das einen hübschen Ertrag verspricht, wenn sich die Aktien weltweit gut entwickeln. Und wenn es an den Börsen abwärts gehen sollte, sei der investierte Betrag am Ende der Laufzeit garantiert.
Strukturierte Produkte profitieren davon, dass das Emittentenrisiko nicht mit einberechnet wird. Das steht irgendwo im Kleingedruckten geschrieben. Und wer hier schon länger mitliest, weiss dies auch und noch viel mehr. Dazu nur ein Beispiel zur Erinnerung: Die Meister des Schönredens
Ganz am Schluss weist der Berater darauf hin, dass die Garantie dieser Kapitalstruktur von Lehman gewährt werde. Aber keine Bange, das sei eine Top-Bank mit einem Super-Rating. Dass da etwas Schlimmes passiere, sei unwahrscheinlich.
Genau so unwahrscheinlich wie ein Mückenstich im Spätherbst, aber sie kommen vor. Es geht um die ewig gleiche Erkenntnis, There is no free lunch!
Eine aktuelle Meldung des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte SVSP
Der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte SVSP nimmt mit Bedauern von den Ereignissen um Lehman Brothers Kenntnis. Die Situation um Lehman Brothers ist als Einzelfall einzustufen und es bestehen aus Sicht des Verbandes keine Bedenken, dass bei Strukturierten Produkten anderer Emittenten Ausfälle zu erwarten sind.
Gemäss den Informationen des SVSP hat Lehman Brothers gegenwärtig insgesamt 83 Produkte am Schweizer Markt ausstehend, davon sind 46 Kapitalschutzprodukte, 11 Partizipationsprodukte, 23 Rendite-Optimierungsprodukte sowie 3 weitere Produkte. Die in der Presse kolportierte Summe eines Volumens dieser ausstehenden Produkte von CHF 650 Millionen erachtet der SVSP in einer ersten Analyse als zu hoch.
Sarah Hotz lässt sich überzeugen und sattelt auf 30'000 Franken des Grossvaters noch 20'000 Franken drauf.
Jetzt kommt die Gier des kleinen Mannes - sorry Frau Hotz - ins Spiel. Wenn schon, denn schon...
Jetzt ist Lehman Brothers pleite. Und Sarah Hotz könnte schon froh sein, wenn sie irgendwann mal 20 oder 30 Prozent des investierten Geldes zurückerhält - als Konkursdividende. Am meisten tut ihr der Verlust der Erbschaft leid. Ihr Grossvater führte ein bescheidenes Leben. Ihre Lehre ist, nie mehr Geld anlegen.
Lehrgeld war schon immer die teuerste Lektion. Investoren können ein Lied davon singen.
Dabei müsste eigentlich für jeden klar sein, der den Kapitalismus begriffen hat, dass eine unabhängige Analyse weder von Anlageberatern noch von Ratingagenturen zu erwarten ist. Es ist die falsche Seite, welche für die Kosten aufkommt und das hat seinen Preis wie Frau Hotz stellvertretend für viele Investoren im Nachhinein erfahren musste.
http://www.zeitenwende.ch
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