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05. September 2008 14:12
Der gestrige Abverkauf an den Aktienbörsen, der massive Bewegungen an den FX-Märkten nach sich zog, war nur der deutliche Ausdruck des allgemeinen Sentiments. Die Welt fürchtet sich vor einem scharfen Wirtschaftsabschwung. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
USA: Allen Abkopplungstheorien zum Trotz kann man eines mit einiger Sicherheit sagen: Auslöser der weltweiten Wirtschaftsprobleme waren die USA, die mittels Finanzkrise und Wirtschaftsabschwächung die restliche Welt infizierten. Und es bleibt dabei: Das Wirtschaftswachstum in den USA wird noch deutliche Tiefschläge einstecken müssen. Der Arbeitsmarkt wird sich noch signifikant verschlechtern, Arbeitslosenzahlen von 6,5 bis 7% werden bald Realität sein: Ein Horror für das amerikanische Selbstbewußtsein. Dies führt gleich zum größten Sorgenkind: dem US-Konsument. Der gleitende Durchschnitt des Conference Board-Konsumentenvertrauens liegt am tiefsten Stand seit 40 Jahren. Banken verschärfen ihren Kreditvergaberichtlinien und schränken die Vergabe von Hypothekenkrediten massiv ein. Kein Wunder, ihnen fehlt der Verbriefungsmarkt um diese Risiken aus der Bilanz zu bringen. Hohe Inflation, sinkende Asset-Preise (Aktien + Hauspreise) kombiniert mit einer Sparquote von nahezu null Prozent lassen an der Fähigkeit des US-Konsumenten seiner Rolle in Zukunft nachkommen zu können, starke Zweifel aufkommen. Man darf nicht vergessen: Rund 70% des US-BIPs werden durch den US-Konsumenten erwirtschaftet. Man kann sich ausrechnen, was in einer kreditbasierten Konsumwirtschaft wie den USA passiert, wenn die Kreditvergabe eingeschränkt wird und dem Konsumenten von anderer Seite (zB Arbeitsmarkt) das Leben ebenfalls erschwert wird.
Fazit: Die USA zahlen momentan den Preis jahrelang zu exzessiver Geldpolitik, die nach der Aktienblase in eine Immobilienblase führte. Restriktivere Kreditvergaben im Konsumsektor als auch an Unternehmen sollten das Wirtschaftswachstum über die nächsten Quartale merklich dämpfen. Deutlich sinkende Rohstoffpreise könnten allerdings für ein wenig Unterstützung des US-Konsumenten sorgen und den Abschwung weniger scharf werden lassen.
Eurozone: Wie erwartet musste EZB-Chef Trichet die zu optimistisch angesetzten Wirtschaftsprognosen für die Eurozone nach unten revidieren. Für 2009 wird nun nur mehr ein enttäuschendes Wachstum von 1,2 % prognostiziert. Auch die Prognose für 2008 wurde deutlich zurückgenommen. EZB-Chef Trichet musste eingestehen, dass die Eurozone in eine Phase der Schwäche hineinsteuert. Nach diesen Aussagen gewann die USD-Aufwertung rasant an Fahrt. Aktuell notiert der EUR bei 1,4200 USD. Alle wesentlichen Frühindikatoren der Eurozone zeigen teilweise steil nach unten. Wesentlich auch die deutschen Auftragseingänge, die schon seit geraumer Zeit nur eine Richtung kennen: nach unten. Interessant sicherlich auch die nachstehende Grafik: Die Geldmenge M1 (um ein Jahr versetzt) dient als guter Indikator für kommende Trends. Und der Trend sieht nicht allzu gut aus.
Fazit: Die Wirtschaft der Eurozone scheint momentan direkt auf eine länger anhaltende Phase der Kontraktion zuzusteuern. Die EZB will/kann die Zinsen auf Grund hoher Inflationsangst nicht senken (obwohl die Inflationserwartungen zuletzt teils deutlich zurückgekommen sind). Zudem lassen sich auch in der Eurozone erste deutliche Anzeichen einer Einschränkung der Kreditvergabe beobachten. Erste Zinsschritte zur Wirtschaftsankurbelung sind erst im Jahr 2009 zu erwarten - die wirtschaftliche Schwächephase könnte also länger als erwartet anhalten.
Emerging Markets: Der momentane Hoffnungsträger der Welt. EZB-Chef Trichet zeigte sich gestern erfreut über den aktuell robusten Zustand der Emerging Markets. Man sollte sich aber auch eines vor Augen halten: Das enorme Handelsbilanzdefizit des USA beruht zu einem großen Teil auf Importen aus Emerging Markets (va. China). Wenn nun aber die US-Bürger ihren Konsum einschränken, würde das unweigerlich eine Wachstumsabschwächung in den Emerging Markets einherbringen. Aktuell reduziert sich das Handelsbilanzdefizit derart, da die US-Importe sinken (auch wegen des schwachen Dollars) und die Exporte ansteigen (schwacher Dollar). Sollte sich dieser Vorgang beschleunigen, werden auch die Wachstumsraten der Emerging Markets empfindlich beeinträchtigt werden.
Fazit: Die Emerging Markets halten sich aktuell noch sehr gut. Die Krux wird aber der absehbare Einbruch des US-Konsums, der auch die Emerging Markets in Mitleidenschaft ziehen wird.
Gesamtfazit: Die Weltwirtschaft befindet sich in schwierigem Fahrwasser. Ausgehend von den USA breitet sich die Wirtschaftsabschwächung über die ganze Welt aus. Die Globalisierung bietet eben nicht nur Segen: Neben der steigenden Prosperität werden natürlich auch negative Entwicklungen wesentlich schneller und direkter als früher an andere Staaten weitergereicht. Trotz aller Beteuerungen der internationalen Notenbanken ist der Wirtschaftsausblick alles andere als rosig. Man sollte sich weltweit auf konjunkturell eher frostige Quartale einstellen.
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