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25. August 2008 10:11
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diejenigen unter Ihnen die meine Kolumne regelmäßig lesen wissen, dass ich als die ungeheuerlichen und satzungswidrigen Vorgänge bei der IKB Deutsche Industriebank AG und der immense Schaden sich andeuteten, gefordert habe, das Institut Konkurs gehen zu lassen.
Das wollten seinerzeit nur Wenige, d.h. beinahe keiner. Wobei das unterschiedliche Gründe hatte. Der maßgebliche Grund war meines Erachtens letztlich der, dass keiner der auch nur im Entferntesten im Umfeld der IKB tätig oder an den Vorgängen beteiligt war, daran interessiert sein konnte, dass eine solche Katastrophe in seiner ganzen Tiefe untersucht und aufgeklärt werden würde. Und die ganzen Schweinereien, die dort gelaufen sind, ans Tageslicht gezerrt werden würden. Begründet wurde das natürlich mit der Finanzkrise und den Auswirkungen, die ein Zusammenbruch einer Bank gehabt hätte. Wobei man da offensichtlich den Status der IKB ein Wenig überschätzte. In Fachkreisen wurde diese Bank sowie so nie ernst genommen.
Da nimmt man jetzt lieber einen Untersuchungsausschuss in Kauf, der wie das Hornberger Schießen ausgehen wird. Um das Hornberger Schießen gibt es bekanntlich zwei Versionen. Bei der einen Version wurde der Herzog Christoph von Württemberg erwartet und die Kanonen donnerten, obwohl nur eine Postkutsche Staub aufwirbelte. Und die andere Version erzählt von einem Angriff der Villinger, wobei die Hornberger in kurzer Zeit all ihre Munition verschossen hatten und der Angreifer nur das Ende der Kanonade abwarten musste.
Letzteres wird auch das im voraussichtlich jetzt eingesetzten Untersuchungsausschuss passieren. Bis der seine Arbeit aufnimmt und zu Ergebnissen kommt, interessiert das Thema IKB keine Sau mehr. Wahrscheinlich wird es bis dahin die Regierung nicht mehr geben und damit auch keinen Verantwortlichen bzw. keinen den man zur Verantwortung ziehen könnte. Der Bericht des Untersuchungsausschuss wird wie so viele Berichte aus unserem Parlament in der Versenkung verschwinden. Da werden Erinnerungen an die Weimarer Zeit und die herabwertende Bezeichnung des Parlaments als „Quasselbude“ wach. Wobei man heute froh wäre, wenn sich die Umtriebe der Politiker und der Regierung auf das Quasseln beschränken würden.
Während Frau Merkel mit einem Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt Volksnähe demonstriert, werden die Besucher über Vernichtung von Volksvermögen über Gebühr zur Kasse gebeten. Eigentlich ganz schön clever. Den Leuten das Gefühl zu geben, dass sie etwas umsonst bekommen und auch Transparenz, und auf der anderen Seite über Missmanagement, Aufsichtsversagen und politische Selbstbedienung jedem Besucher symbolisch in den Hintern zu treten. Das ist die in Deutschland im 21. Jahrhundert praktizierte Politik.
Einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag hat der für den Schlamassel direkt verantwortliche Bundesfinanzminister Peer Steinbrücke jetzt von Lonestar bekommen. In der offiziellen Pressemitteilung wird von einem „angemessenen Betrag“ gesprochen. Die Jungs von Lonestar werden noch ihren Enkeln von diesem „angemessenen“ Deal erzählen und wie sie eine ganze Regierung über den Tisch gezogen haben.
Nicht nur dass sie günstig an Kundenbeziehungen herangekommen sind und deutschen Banken das Geschäft wegnehmen werden, wenn sie clever sind. Nein Sie erhalten noch dazu eine steuerfinanzierte Risikoabschirmung und ein beinahe total saniertes Haus. Waren es jetzt 10 Mrd. Euro oder mehr, die die Kfw im Zusammenhang mit der IKB vernichtet hat bzw. der Steuerzahler aufbringen musste? Ich habe angesichts der verbrannten Milliardenbeträge jedenfalls die Übersicht verloren.
Mit diesem Verkauf wurde laut Pressemitteilung „der deutsche Finanzplatz stabilisiert“ und „erheblicher volkswirtschaftlicher Schaden“ abgewendet. Dass sich der Vorstandssprecher der IKB Wolfgang Kroh nicht schämt einen solchen Unsinn zu verzapfen und solche sinnentleerten politischen Worthülsen in den Mund zu nehmen. Der Schaden könnte nicht größer sein.
Das „für Deutschland wichtige Geschäftsmodell“ ist nun „gesichert“. Klasse kann ich da nur sagen. Wieso habt ihr dann in Amerika Schrottimmobilienanleihen gekauft? Und ob Lonestar den deutschen Mittelstand fördern will, könnt ihr Eurer Oma erzählen. Selbst die glaubt Euch das nicht mehr.
Die Sal. Oppenheim Bank wusste schon warum sie die Bank nicht gekauft hat. Sie machte lieber den Reibach über die von uns finanzierte Sanierung. Quersubvention nennt man das.
Wenn ich diese enorme Geldvernichtung an mir vorbeiziehen lasse, wäre ich nicht abgeneigt, die Personen im Aufsichtsrat der IKB und im Verwaltungsrat der Kfw vor dem Brandenburger Tor in Berlin wie im Mittelalter an den Pranger zu stellen. Stattdessen muss ich wahrscheinlich die Rodenstocks, Spethmanns, Rogowskis, Viessmanns weiter in ihren Maßanzügen in Talkshows ertragen.
Hier hat nicht nur eine Bank versagt. Hier hat der Korporatismus aus Wirtschafts- und Politelite sein Waterloo erlebt.
Und dass der Schaden des einfachen Bürgers Versagern im Aufsichtsrat zur Karriere verhilft, sieht man daran, dass das IKB-Aufsichtsratsmitglied des Bundesfinanzministeriums für Finanzen, Jörg Asmussen, aufgrund seiner großen Verdienste um die IKB zum Finanzstaatssekretär aufgestiegen ist.
Da wundert es mich nicht, dass solche Dinge immer wieder passieren. Wenn man den Bock zum Gärtner macht.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke
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