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Arbeiter erster Klasse

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05. August 2008 10:10

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Sehr geehrter Anleger,

es gibt doch derzeit kaum etwas Schöneres als seine Sachen zu packen und in den Urlaub zu fahren. Einfach mal Tapetenwechsel. Raus aus dem Alltag und tief Luft holen. Vorausgesetzt, dass man es sich angesichts der allgemeinen Belastungen aufgrund von Preissteigerungen bei Benzin, Nahrungsmitteln oder Energie leisten kann. Und wer möchte nicht gern einmal das Traumziel Südsee kennenlernen?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann mir das mit einer zugegebenermaßen überdurchschnittlich großen Familie nicht leisten. Aber ich freue mich mit jedem aus meinem Umfeld, der sich eine solche Traumreise leisten kann. Neid werden Sie also bei mir nicht antreffen.

Dennoch gibt es da zwei Passagiere, bei denen sich auch bei mir innerlich Widerstand regt. Sie haben es wahrscheinlich schon erraten, um wen es sich handelt. Das Ehepaar Bsirske. Frank Bsirske ist der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und wie das bei Vorsitzenden von Gewerkschaften so üblich ist, auch u.a. Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa. Und bekommt aufgrund seiner Aufsichtsratsmitgliedschaft – wie übrigens alle anderen Aufsichtsratsmitglieder auch – Gratisflüge.

Dagegen ist erst einmal gar nichts einzuwenden. Und so kann man Bsirske verstehen, wenn er sich jetzt gegen Anfeindungen wehrt, dass hinsichtlich seiner Person mit „zweierlei Maß“ gemessen wird. Wobei sich unabhängig davon, für mich die Frage stellt, wieso seine Frau, die schließlich kein Aufsichtsratsmitglied ist, auf Kosten der Lufthansa in den Urlaub fliegen darf.

Was dem ganzen aber schon eine besondere Note gibt, ist die Tatsache, dass dieser Urlaub kurz vor Beginn des Arbeitskampfes bei der Deutschen Lufthansa von Statten ging. Auch da könnte man wieder für Herrn Bsirske Partei ergreifen. Ganz einfach, weil die Urlaubsplanung bei den Meisten von uns – und bei Bsirskes wird es ähnlich sein - ein paar Monate im Voraus gemacht wird und man in den wenigsten Fällen absehen kann, was dann sein wird, wenn man in den Urlaub fährt. Nicht umsonst gibt es Reiserücktrittsversicherungen.

Und obwohl alles ganz legal ist und in Ordnung zu sein scheint, regt sich offensichtlich nicht nur bei mir ein Gefühl des Unwohlseins.

Warum? Der Gedanke, dass ein führender Gewerkschaftler einen Urlaub in Saus und Braus macht, während seine Kollegen streiken, damit sie ein paar Prozent mehr bekommen, will irgendwie nicht in meinen Schädel rein. Insbesondere deshalb, da die sich einen 1. Klasseflug – wie übrigens viele andere auch – niemals in ihrem Leben werden leisten können.

Und da beginnt mein Unmut anzusteigen. Diejenigen, die laufend die Mittelschicht und die Besserverdienenden angreifen und Belastungen für die Leistungsträger unserer Gesellschaft fordern, bedienen sich ganz freimütig und ohne schlechtes Gewissen, wo sie nur können. Aber nicht nur das ist es. Was würden wohl die alten Arbeiterführer sagen, wenn sie die heutige Diskrepanz zwischen Arbeitnehmern und Arbeiter auf der einen Seite und Gewerkschaftsfunktionären auf der anderen sehen würden? Was da seit einiger Zeit abläuft, ist bildlich gesprochen, dass die Arbeitnehmer im Dreck marschieren, während sich die Arbeitnehmervertreter in der Sänfte vorbeitragen lassen, um ihr feines Tuch und ihre teuren Schuhe nicht zu beschmutzen. Das passt irgendwie nicht.

Andererseits sind wir an das schon gewöhnt. So hat unser Oberbahngewerkschafter seine Kur gemacht, während seine Kollegen streikten. Franz Steinkühler von der sonst so scharf auftretenden IG Metall hat seinerzeit in Erzkapitalistenmanier Insidergeschäfte mit Aktien gemacht. Und noch gar nicht lang ist es her, dass Herr Zwickel, ebenfalls von der IG Metall, dem Golden Handshake von Esser ebenfalls die Hand reichte. Und hinterher zeitweise so tat, als wär er nicht dabei gewesen.

Dass die Gewerkschafter als Aufsichtsräte in einem dauernden Konflikt zwischen Unternehmensinteresse einerseits und Arbeitnehmervertretungsinteressen andererseits stehen, sei nur am Rande erwähnt. Und auch, dass man von anständigen und aufrechten Personen erwarten könnte, dass sie sich einer solchen Konfliktlage nicht aussetzen. Aber was ist schon Anstand?

Es fehlt jetzt eigentlich nur noch, dass ein Gewerkschaftsboss zugleich Vorstandsvorsitzender eines börsennotierten Unternehmens wird. Dann haben wir Hegels dialektischen Dreischritt von der These und Antithese zur Synthese auch in der realen Wirtschaftswelt eindrucksvoll umgesetzt.

Der Kommunismus hätte dann doch noch seinen Sieg davongetragen. Dass mir vor solch einer von einer Funktionärskaste getragenen Wirtschaft graut, wird in einem lichten Augenblick wahrscheinlich selbst Herr Bsirske verstehen.

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

Ihr Norbert Lohrke







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  • 2008-08-05 13:18:07
    MarioAt

    Die sauberen "Arbeiter erster Klasse"

    Gerne gebe ich noch einige Zusatzinfos zu den "Arbeitern erster Klasse"

    Hr. Zwickel Exchef der IG-Metall: Jahresgehalt etwa 214.000 Euro, Aufsichtsratsbezüge: etwa 200.000 Euro
    Zusammen rd. 414.000

    Bsirske ver.di-Chef: Jahresgehalt 158.000 Euro, Aufsichtratsbezüge: rd. 85.000 Euro
    Zusammen rd. 243000

    Schmoldt IG-Bergbau,Chemie, Energie: Jahresgehalt 130.000 Euro, Aufsichtsratsbezüge 246.000 Euro
    Zusammen rd. 376.000

    Wiesehügel Industriegewerkschauft Bau: Jahresgehalt rd. 130.000 Euro, Mindestens 7 Aufsichtsratssitze bzw. Beiratsposten, Bundestagsabgeordneter bis 2002, rd. 80.000 Euro
    Zusammen rd. 210.000 (bis 2002)

    Selbst ein kleiner Bereichsleiter bei ver.di zum Beispiel Hr. Cors kommt auf ein Gehalt von 125.000 Euro pro Jahr und Aufsichtsratsbezüge von 125.000 Euro.
    Zusammen rd. 250.000 Euro

    Oder Fr. Mönig-Raane, ehemalige HBV-Vorsitzende, jetzt Vize Verdi Chefin, Jahresgehalt 138.000 Euro und mindestens 150.000 Euro Aufsichtsratsbezüge.
    Zusammen rd. 288.000 Euro

    Hr. Falbisoner (verd.di-Bereichsleiter in Bayern): Jahresgehalt rd. 75.000, Aufsichtsratsvergütungen: 26.000 Euro
    Zusammen rd. 101.000 Euro

    Hr. Feddersen (ver.di Bundesvorstand): Jahresgehalt rund 130000 Euro, Aufsichtsratsvergütungen rund 70000 Euro
    Zusammen rd. 200000 Euro

    Hr. Kollorz (Hauptvorstand IG-BCE) Jahresgehalt rd. 130.000 Euro, Aufsichtsratsvergütungen rd. 165.000 Euro
    Zusammen rd. 295.000 Euro

    Hr. Schösser (DGB-Landesvors. Bayern): Jahresgehalt rd. 100.000 Euro, MdB-Diäten rd. 80.000 Euro, Aufsichtsratsbezüge (mindestens 6 Mandate) rd. 20.000 Euro
    Zusammen rd. 200.000 Euro

    Hr. Wendlandt (IG-BCE Bezirksleiter NRW): Jahresgehalt rd. 70.000 Euro, Aufsichtsratsvergütungen rd. 120.000 Euro
    Zusammen rd. 190.000 Euro

    Am unverschämtesten von allen Gewerkschaftführern ist der großmundige ver.di-Chef Bsirske (der übrigens nicht mal in der SPD tragbar war und dort rausgeschmissen wurde). Dem Vorsitzenden der Müllmänner-, Krankenschwestern- und Verkäuferinnen-Gewerkschaft wurde allein in einem Jahr eine Gehaltserhöhung von 61 Prozent erlaubt. Die gesamte Gehaltserhöhung für die oberen 84 Bosse von ver.di machte damals allein 3,4 Millionen Euro aus. Die unteren ver.di Angestellten sollten im Gegenzug auf das 13. Monatsgehalt verzichten.

    In Deutschland gibt es etwa 1000 größere Aktiengesellschaften mit Aufsichtsrat. Dort sitzen fast überall Gewerkschaftsfunktionäre drin- sehr oft zwei oder drei von diesen sauberen Genossen. Über die Erhöhung der Gehälter von den Unternehmern redet man in Deutschland sehr gerne, aber über die Bezüge der Gewerkschafter wird geschwiegen.

    Das sind unter anderem die Wahrheiten in Deutschland!!!

    Gruß MarioAt

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