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08. Juni 2008 17:00
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Laut ORF-Online sei die Stadt von "singenden, fröhlichen Kroaten" besiedelt. "Das Stadtbild ist geprägt von gut gelaunten Fans", so Polizeisprecherin Andrea Jelinek.
Ich aber bin tief ins Zentrum der kroatischen Fanzone eingedrungen, habe mir unter fliegenden Blumenstöcken, zersplitternden Bierflaschen und zischenden Rauchbomben meinen Weg gebahnt, um vom Ort des Geschehens zu berichten. Vor dem Haashaus bin ich mir vorgekommen wie ein Kriegsberichterstatter hinter den feindlichen Linien. Ein Weiterkommen zum Graben gab´s praktisch nicht mehr, zu viele Flaschen säumten meinen Weg. Zu gefährlich, wenn man mit Sandalen und kurzer Hose unterwegs ist, und nicht mit Ganzkörperrüstung.
Dieses berühmte Carlsberg-Bier hab ich nirgends sehen können. Grober Überblick über die zwischen Schwedenplatz und Stephansplatz getrunkenen Biermarken:
30% Gösser, 30% Ottakringer, 15% Hirter, 15% Wieselburger, Minderheitenprogramm waren Zipfer, Schwechater, kroatische Sorten und Edelweiss.
Impressionen von ca. 15 Uhr:

Der Stephansplatz ganz in rot-weiss. Von der Rotenturmstrasse kommend.

Noch friedlich. Sogar Kinder kommen wohlbehalten durchs Menschenmeer.

Furchtsam lächelt die Lady, obwohl wenige Meter neben ihr schon die Rauchbomben detonieren. Sie muss arbeiten, auch an einem Tag wie heute.

Rauchbomben am Stock-im-Eisen-Platz. Zwischen Stock-im-Eisen-Platz und Haashaus konzentrieren sich die Gewaltbereiten unter den Kroatien-Fans.

Links der Herr im blauen T-Shirt vergeht sich gerade am nächsten Blumenstock, der wenige Sekunden später in die Luft geschmissen wird. Draufzahlen müssen wie immer die Schwächsten der Schwachen: die Zierpflanzen, die keine Faust haben, um ihm ordentlich eine auf die Birne zu geben, dem groben Lackel!

Ich hoffe doch, die Carlsberg-Fans in der noblen Fanzone machen ihrer Biermarke nicht so eine Schand wie die Fans der bodenständigen Marken.

Im Zentrum des Stephansplatzes friedliche Völkerfreundschaft.

Kriegsbemalung wird angelegt. Aber wer so geduldig das Anlegen der Maske erträgt, der wird nach Fertigstellung derselben eher nicht über die Blumentöpfe herfallen.

Das Team von den Reinbeißern nach geschlagener Schlacht, die Reste von den geschmolzenen Mars-Riegeln kleben immer noch zwischen den Fingern. Sie wissen nicht, dass ihnen noch Arbeit bevorsteht: der Otto kommt grad auf sie zu, um die Herausgabe weiterer Riegel zu empfehlen.

Zurück am Schwedenplatz, wo immer noch frische Kroatien-Fans den Bussen entsteigen. Und wenige Meter weiter, man glaubt es kaum, auf der anderen Seite der Brücke: absolute Stille wie auf einem Berggipfel, keine dröhnenden Fans, kein Lärm, keine Enge, keine fliegenden Bierflaschen, Rauchbomben und Blumentöpfe: die Stille der Leopoldstadt hat mich wieder!




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