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15. Mai 2008 13:14
"Finanzmarkt erkennt zunehmend den Wert der Artenvielfalt
oekom research: Portfolio Biodiversität für Finanzdienstleister entwickelt
München, 15. Mai 2008 – Der finanzielle Wert der Artenvielfalt lässt sich mittlerweile beziffern. Damit hält das Thema Einzug in den klassischen Finanzmarkt. Unternehmen, die gezielt Wertschöpfung mit dem Schutz der Artenvielfalt verknüpfen, könnten künftig an der Börse punkten. „Wer das Thema vollkommen ignoriert, geht Risiken ein oder verpasst Chancen. Das kann sich negativ auf die langfristige Geschäftsentwicklung auswirken“, so Rolf D. Häßler, Director Business Development bei der Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research.
Der jährliche finanzielle Nutzen des gesamten Ökosystems der Welt wird auf 16 bis 64 Billionen US-Dollar geschätzt. Allein der Weltmarktwert für pharmazeutische Produkte, die aus der Nutzung natürlicher genetischer Ressourcen stammen, wird mit 75 bis 150 Milliarden US-Dollar pro Jahr beziffert. Die Bestäubung von Kulturpflanzen durch Bienen und Hummeln wird weltweit mit einem ökonomische Wert von jährlich 29 bis 74 Milliarden US-Dollar veranschlagt, für den Nutzen der Feuchtgebiete steht die Zahl 70 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Raum.
„Ursprünglich waren Informationen zu den Artenschutzaktivitäten von Unternehmen nur für umweltbewusste Investorengruppen interessant. Mittlerweile macht sich sogar die Finanzinitiative der Vereinten Nationen darüber Gedanken, also ganz konventionelle Investoren“, führt Häßler auf. Einen wirksamen Hebel in Sachen Artenschutz könnten Banken zum einen durch die gezielte Auswahl entsprechender Wertpapiere für die Portfolios, zum anderen auch durch die Berücksichtigung umweltrelevanter Kriterien bei der Kreditvergabe und Projektfinanzierung ansetzen.
Dass derzeit ein immenser Umdenkungsprozess stattfindet, zeigt auch das Vorhaben der Bundesregierung, die volkswirtschaftlichen Kosten durch den Verlust der biologischen Vielfalt weltweit zu ermitteln – ein Projekt unter Federführung eines Experten der Deutschen Bank.
Die Unternehmensanalysen von oekom research zeigen, dass die meisten internationalen Konzerne ihrer Verantwortung gegenüber dem Erhalt der Artenvielfalt derzeit noch nicht gerecht werden. „Einige gute Initiativen seitens der Unternehmen lassen jedoch darauf hoffen, dass die Wirtschaft den Wert der Biodiversität langsam erkennt“, so Häßler.
Die Herausforderungen für den Artenschutz sind von Branche zu Branche verschieden. Besonders hoch sind sie in der Nahrungsmittelbranche und dem damit verbundenen Einzelhandel, dem Holz-, Papier- und Bausektor sowie den Branchen Öl und Gas, den Energieversorgern und der Metall- und Rohstoffindustrie. Nicht nur, weil diese Branchen besonders in der öffentlichen Kritik stehen, sondern auch, weil sie den Risiken des eigenen Raubbaus am stärksten ausgeliefert sind, entstehen hier die ersten Initiativen im Bereich Artenschutz.
Welche Unternehmen sind die Vorreiter? Antworten darauf gibt das „oekom Portfolio Biodiversität“. Es enthält 60 Unternehmen, die substanzielle und richtungsweisende Aktivitäten zum Erhalt der Artenvielfalt vorweisen. Darin zu finden ist beispielsweise die britische Einzelhandelskette Marks & Spencer, die Bio-Lebensmittel und Textilien mit Öko-Labels als festen Bestandteil ihres Sortiments führt sowie Rohmaterialien aus umweltverträglicher Produktion bezieht. Die schwedische Modefirma H & M verzichtet bewusst auf den Verkauf von Pelzen und Waren, die Bestandteile gefährdeter Arten enthalten. Die deutsche STEICO AG bietet natürliche Baustoffe an und hat die gesamte Palette der Holzfaser-Dämmstoffe nach dem anerkannten Umweltsiegel des Forest Stewardship Council-Standard (FSC) zertifizieren lassen. Ein weiteres Beispiel ist der australische Energieversorger AGL Energy, der bei Produktion und Bezug von Biomasse zur Energiegewinnung bewusst auf umweltgerechte Produktionsbedingungen achtet. Material aus Natur- oder Primärwäldern wird nicht verwendet.
Auf Basis des oekom Portfolios Biodiversität können Banken und Finanzdienstleister spezielle Produkte auflegen, die das Thema Artenvielfalt berücksichtigen – so etwa Themenfonds oder Zertifikate. "





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