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15. Mai 2008 01:38
Es waren 1.553 Aktionäre mit 164,462.682 Aktien angemeldet. Bei der Anwesenheitsveröffentlichung war ich nicht im Saal, aber es sind nicht gar viele Leute gekommen. 300, 400, allerhöchstens 500, mit freiem Auge geschätzt, die Gäste schon mitgerechnet.
Irgend etwas muss vorgefallen sein, ein grosses Schild beim Eingang hat uns darauf hingewiesen, dass Fotografieren, Filmen und sogar private Tonaufnahmen "verboten" sind, die Security war da streng. Aber wer käme denn auf die Idee, eine fade Hauptversammlung aufzunehmen? Und wenn er es getan hätte, so darf er die Aufnahme jedenfalls leider nicht weiter geben, er würde sie natürlich nur ein einziges Mal zu Hause abspielen, um seine Erinnerung aufzufrischen, damit er keine Hörfehler in die Zusammenfassung überträgt, und danach würde er die Aufnahme umgehend löschen, selbstverständlich, er weiss ja, was sich gehört.
DI Simone Hartmann hat sich wegen der Iran-Geschäfte zu Wort gemeldet, wo sich die OMV in Verhandlungen befindet, sie wollen dort Gas fördern, um von Russland unabhängiger zu werden. Ihr wurde gesagt: "Würden Sie bitte zur Sache eine Frage stellen!", worauf der halbe Saal in tobenden Applaus ausgebrochen ist, ihre weiteren Worte sind im Klatschen und in Pfiffen untergegangen. Danach wurde ihr mit den Worten "Ich akzeptiere nicht, dass Sie mich mit 30 bis 40 Fragen befassen! Ich darf Sie bitten, wieder an Ihren Platz zurück zu kehren!" das Wort entzogen. Diese Bitte wurde im Befehlston vorgetragen.
Ich wünsche Frau DI Hartmann, dass sie nächstes Mal mit einer stärkeren Hausmacht vertreten sein wird, damit sie nicht vom Aufsichtsratspräsidenten und vom Mob niedergemacht werden kann. Es ist inakzeptabel, einen Aktionär nicht zu Wort kommen zu lassen. Sie hat die OMV nicht angegriffen, sie hat lediglich Probleme erwähnen wollen, die im Zusammenhang mit Iran-Geschäften auftreten können.
Man hätte ihr also besser zuhören sollen. Es geht immerhin auch um den Ruf der OMV und somit auch wieder ums Geschäft. Aber es hat sich in letzter Zeit eingebürgert, dass auf Hauptversammlungen auch von Seiten der Kleinaktionäre ordentlich gegen andere Kleinaktionäre gemobbt wird. Denn sie wissen nicht, was sie tun. Wenn es nicht die geringste Solidarität gibt, oder zumindest die Höflichkeit, andere zu Wort kommen zu lassen, wie können die Aktionäre je zu ihrem Recht kommen, wenn sie sogar der Meinung sind, Rederechte für Kleinaktionäre sollte es nicht geben?
Schockierend war für mich besonders der Begeisterungssturm, der unmittelbar einsetzte, als sie erwähnt hat, dass der Iran führend bei Hinrichtungen von Minderjährigen sei. Ist das eine Sache, die einen normalen Menschen klatschen und johlen läßt? Auf einer primitivpolitischen Bierzeltveranstaltung können keine dümmeren Leute anwesend sein.
Wahrscheinlich war es eh nur eine Minderheit, die geklatscht hat, aber die so begeistert, dass man geglaubt hat, der halbe Saal macht mit. Wenn diese Leute einen Funken Verstand haben, mögen sie bitte überlegen, ob sie eh an der richtigen Stelle geklatscht haben, oder ob der Wink zum Klatschen an falscher Stelle gekommen ist. Der spontane Begeisterungssturm war für mich ein bisserl zu spontan.
Roland Dangl (wenn ich den Namen richtig verstanden habe) hat den Vorschlag gemacht, dass OMV sich bei MOL auf 10% zurück ziehen und die überzähligen Anteile verkaufen soll, da sie ohnehin nicht mehr als 10% der Stimmrechte bekommen können.
Dieser Vorschlag wurde auch im Hinblick auf Kartellprobleme bei einer Übernahme der MOL durch OMV gemacht, wo sich die OMV von Raffinerien (z.B. die angeblich am wenigsten wirtschaftliche in Schwechat) trennen müsste, da die EU es nicht gerne sieht, wenn der mitteleuropäische Raffineriemarkt von einem Anbieter beherrscht wird.
Der Aktionär hat beantragt, darüber abzustimmen, ob OMV sich auf 10% Anteil bei MOL zurück ziehen soll.
Die Antwort war: "Ich werde die Hauptversammlung mit einer MOL-Übernahme nicht befassen, denn der Antrag war nicht angekündigt."
Es war in meinen Augen ein überdenkenswerter Vorschlag. Die OMV hätte ruhig fragen können, wie die OMV-Aktionäre über den MOL-Übernahmekrampf denken. Vor allem, da es derzeit so scheint, als ob sich die MOL selbst umbringt. Zum Schaden ihrer Aktionäre natürlich, indirekt also zum Schaden auch der OMV-Aktionäre.
Berthold Berger hat auch einige Fragen stellen wollen, wie immer konstruktiv und natürlich zeitaufwändig, da ist wieder ein Tumult unter den Aktionären ausgebrochen, das war der willkommene Anlass für viele, Richtung Buffet aufzubrechen. Ihm wollte man auch das Wort entziehen, aber der Herr Berger lässt sich nicht so leicht den Mund verbieten.
Ich hätte heute gerne den Herrn Staller als Aktionär gesehen, damit die Herren am Podium nicht gar so leichtes Spiel haben. Er hätte bestimmt die richtigen Worte über die Vorgangsweise des Aufsichtsratspräsidenten gefunden, denke ich.
Ich hatte bei allen vor kurzem besuchten Hauptversammlungen den Eindruck, dass Aufsichtsrat und Vorstand die Bühne Hauptversammlung nutzen, sich gut darzustellen, ihre Handlungen zu erklären, die Aktionäre an ihren Plänen teilhaben zu lassen. Die OMV war die grosse Ausnahme, man hat sofort gemerkt, dass die HV nur pro forma statt finden soll, weil es eben sein muss, dass aber absolut kein Interesse besteht, zu erfahren, was die Aktionäre denken.
Das Buffet war klein geplant, und die Verwüstung (die Leute haben den korrekten Umgang mit dem Schokobrunnen erst lernen müssen) wurde bald abgetischt. Wie wir gekommen sind, waren schon alle Tische besetzt, und wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss warten, ob was übrig bleibt. Egal, zum Essen war ich eh nicht in der richtigen Stimmung.
Als Geschenk für die Anwesenden (Aktionäre und Gäste) hat es eine Taschenlampe gegeben. Wer zusätzlich noch jemanden vertreten hat, der bekam für diesen kein Geschenk. Damit die Kosten nicht explodieren.
Bei Tisch konnte ich auch erfahren, warum viele Aktionäre geklatscht hatten. Die Aussagen gingen von "Das ist politisch, das hat auf einer Hauptversammlung nichts zu suchen." über "Die Zeitungen schreiben viel, da stimmt eh das meiste nicht." bis zu "Is mir wurscht, ob die ihre Minderjährigen aufhängen, gibt eh viel zu viele von denen."
Nicht dass Ihr jetzt denkt, das wären die Meinungen der typischen Österreicher. Aber die diese Meinungen vertreten, die waren diesmal unter den Aktionären. Daher ist auch beim Buffet keine freundliche Stimmung aufgekommen. Es war einfach nicht schön.
Natürlich hat es Lichtblicke auch gegeben. Die brauchen sich freilich nicht betroffen zu fühlen. Ich danke ihnen, dass sie sich von der Masse nicht mitreissen haben lassen, ich grüsse sie hiermit persönlich.

Drinnen im Hochsicherheitstrakt war Fotografieren strengstens verboten. Heraussen war es friedlicher. Die Fotos von den öffentlichen Hinrichtungen erspare ich Euch, die hat man eh schon in den Zeitungen sehen können (aber natürlich nicht sehen wollen).

Das Buffet fand im Untergeschoss statt. Möglicherweise war das vorher eine Garage.


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