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17. Februar 2008 17:58
Laut http://www.boerse-express.com/pages/6422... sagt Jan Krainer, dass Müllabfuhr, Kanal- und Parkgebühr zusammen nur einen Einfluss von 0,03 Prozentpunkten auf die Inflationsrate 2007 gehabt hätten. Minister Bartenstein solle Preismonitoring bei Energie betreiben, Sozialminister Buchinger bei Lebensmitteln.
Der Sozialminister hat auf seinen Hausverstand gehört und lauter Clever-Produkte in sein Wagerl getan. Handelsmarken kosten üblicherweise weniger als Herstellermarken. Eine Zeitung hat geschrieben: „Soviel kann man um 100 Euro einkaufen!“, eine andere Zeitung hat geschrieben: „Der Sozialminister zeigt, wie wenig man um 100 Euro kaufen kann!“
Der Sozialminister hätte noch mehr sparen können, wenn er aufs Ablaufdatum geschaut hätte. Denn beim Billa gibt es seit Jahren die „Frisch oder gratis“-Aktion. Man macht sich nicht beliebt bei seiner Filiale, wenn man jeden Tag ein Extrawagerl voll mit Produkten zur Kassa schiebt, die gestern abgelaufen sind. Dafür bekommt man jeweils ein noch nicht abgelaufenes Stück desselben Produkts. Das geht ein- bis zweimal gut, dann bekommt man Hausverbot in der Filiale seines Vertrauens, und man muss halt immer weitere Kreise ziehen, bis man einen Billa findet, der einen noch bedient. Aber das ist z.B. in Wien kein allzu großes Problem, es gibt hier sehr viele Billa-Filialen. Wahrscheinlich hängt das Fahndungsplakat des Sparefrohs aber eh schon in allen Filialen bis zur Stadtgrenze, besonders in der Milchabteilung. Um Milch oder Joghurt sollte man beim Ablaufdatum-Monitoring also besser einen großen Bogen machen, die schauen schon sehr streng und passen auf, dass niemand sich ihren Joghurts prüfenden Auges nähert. Wurstabteilung ist besser, da bekommt man auch höherpreisige Ware für sein geschultes Auge.
Ich denke, dass man bei Lebensmitteln viel sparen kann, wenn man, so gut es geht, zu Aktionspreisen kauft. Beim Kaffee ist es z.B. extrem, da spart man bei Aktionen zwischen 40% und 50%. Kaffee kann man locker ein paar Monate im Voraus kaufen, und wer das nicht tut, der sollte sich nicht allzu sehr über die hohen Kaffeepreise aufregen. Denn Kaffee ist jedes Mal woanders in Aktion. Ich rede natürlich von der Stadt, wo wir viele Geschäfte haben. Ich verstehe schon, dass es am Land nicht so einfach ist, wenn man vielleicht alle 20 Kilometer einen Greißler hat. Bei jedem zweiten Supermarkt in Wien kann ich Milch um etwa 50 Cents kaufen, die am selben oder nächsten Tag abläuft. Viele Hofer-Filialen haben sehr gute und frische Weckerl vor dem Wochenende auch um den halben Preis, die Nachfrage ist groß, es ist aber üblicherweise bis zum Schließen immer genug da. Hier mein dieswöchiger Lebensmittelspartipp: Beim Zielpunkt/Plus gibt es bis zum Dienstag Chinakohl um 59 Cents pro Kilo. Der hat im Winter 2002, wenn ich mich richtig erinnere, 2,50 Euro pro Kilo gekostet.
Was ich sagen will: Ich habe nicht das Gefühl, dass der Lebensmittelhandel uns Kunden abzockt. Es gibt Konkurrenz, und jeder möchte gerne seine Ware verkaufen. Hohen Preisen bei einzelnen Produkten (Paprika, Spinat) entkommt man, wenn man beim türkischen Greißler kauft, der scheint eigene Bezugsquellen ohne Zwischenhandel zu haben.
Wer von der Konzentration im Lebensmittelhandel über den Tisch gezogen wird, das sind eher die Lieferanten. Billa und Spar teilen ihren Lieferanten – ohne Druck, selbstverständlich, sagen sie immer – mit, welche Preise sie sich vorstellen, und wenn der Lieferant diese Preise nicht aushält, wird er beinhart ausgelistet. Coca Cola braucht nicht soviel Angst vor der Auslistung zu haben, denn wenn der Kunde ein Coca Cola verlangt und nur ein Frankenmarkter Cola angeboten bekommt, dann sagt er womöglich: „In dieses Geschäft gehe ich nicht mehr, die haben nicht einmal Coca Cola!“ Aber lokale Lieferanten kiefeln ordentlich an den Preisen, zu denen sie liefern müssen. Daneben noch Listinggebühren, Sonderaktionsrabatte, ein paar Paletten gratis für 1+1-Gratis-Aktionen usw.
Es ist nicht schön, was die großen Einzelhandelsketten teilweise mit ihren Lieferanten machen. Aber der Kunde profitiert – zumindest preismäßig – vom Druck, den die Ketten auf die Produzenten ausüben.
Wenn es soviel Profit bringt, Schweinsschulter zu 2,49 Euro Endverkaufspreis incl. Umsatzsteuer pro Kilo zu produzieren, Schweinsschnitzel zu 3,99 Euro, Chinakohl zu 59 Cents pro Kilo, warum kommen nicht immer mehr Kunden auf die Idee, sich Samen zu kaufen, um zu Selbstversorgern zu werden? Ich kann Euch von meinen eigenen Erfahrungen berichten: Es ist verdammt hart, Samen einmal zum Keimen zu bringen, aber durchbringen kann ich die Pflänzchen nicht. Ich bin angewiesen darauf, dass der Handel gute Ware ins Regal stellt, zu Preisen, zu denen ich nie produzieren könnte.
Lebensmittelpreise kann man im Auge behalten, ja, aber ich glaube nicht, dass sie mutwillig hochgehalten werden, und dass sie ungebührlich hoch sind, kann ich auch nicht erkennen.
Bei Lebensmitteln kann ich auch ein bisschen flexibel sein. Ich kann ein bisschen weniger kaufen, ich kann auf Ersatzprodukte umsteigen, ich kann zu Aktionszeiten kaufen.
Aber das, was vielen Menschen im Land besonders weh tut, das sind die Kosten, auf die sie fast keinen Einfluss nehmen können. Ausgaben, von denen sie nichts haben, wo sie nichts runter beißen können: Müll- und Kanalgebühren, Parkgebühren, Hausverwaltergebühren, Tarife für Öffentliche Verkehrsmittel, alles Kosten der nackten Existenz bzw. Abgaben auf die Fortbewegung.
„Gebührenmoratorium“ ist lustig. Was bringt es uns, wenn Gebühren ein Jahr lang nicht erhöht werden, im darauf folgenden Jahr dafür doppelt so stark? Wenn die Politiker wirklich etwas gegen die Inflation machen wollen, dann sollen sie eine klare Vorgabe erstellen: Alle öffentlichen Gebühren müssen in den nächsten drei Jahren um 30% sinken. Das muss möglich sein, man braucht nur ein bisschen an Einsparungsmöglichkeiten zu denken. Warum kostet ein Reisepass in Korea 30 Euro, warum ist selbst Deutschland viel billiger als Österreich? Warum sind immer wir Österreicher die führenden Preistreiber? Weil sich die Österreicher offenbar alles gefallen lassen!
Und wie der sündteure und absolut entbehrliche (da so gut wie nicht aussagekräftig) Energieausweis in die Inflationsrate hinein gerechnet wird, möchte ich auch wissen. Das ist bald der Betrag, den ein Teilzeitarbeiter im Monat verdient. Abschaffen, den Blödsinn! Und wenn Ihr schon Energieeffizienzkennzahlen braucht, dann bitte gscheite und nicht einfach eine unsinnige Bewertung in einigen Farben, die nur unnötig Geld kostet.
Was der Gesetzgeber noch gegen die Inflation tun könnte: Erzeuger oder Importeure zwingen, ihre eigenen Produkte zu fairen Preisen zu reparieren! Also vielleicht 20 Euro pro Stunde für das eigene Produkt, als kleines Entgegenkommen dafür, dass das Produkt gleich nach Ende der Garantiezeit kaputt war. Anstatt abschreckender 90 Euro pro Stunde, die einzig und allein den Zweck haben sollen, den Kunden dazu zu bringen, ein neues Produkt zu kaufen, das alte unrepariert zu entsorgen. Was bekanntlich wieder die Entsorgungskosten anheizt, die wiederum alle Müllgebührenzahler zahlen müssen, auch die, die nichts zum Entsorgen haben, weil sie vielleicht 10 Jahre darauf warten, dass ihnen jemand ihre Waschmaschine zu einem leistbaren Preis repariert! (siehe mein Artikel http://www.be24.at/blog/entry...)
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