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OMV: Türkei-Zukauf hat Reize, aber auch seinen Preis

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03. Oktober 2006 07:39

Das OMV-Management stand zuletzt des Öfteren in der Kritik des Kapitalmarktes: Sowohl die angedachte Übernahme des Verbund als auch der Einstieg bei der türkischen Tankstellengesellschaft Petrol Ofisi stiessen grossteils auf eine reservierte Haltung. Anleger, die dem Management daher nicht mehr so ganz über den Weg trauen, brauchen ab hier nicht mehr weiterlesen. Allen anderen geben Ruttenstorfer und Co. aber einen interessanten Hinweis auf ein (hoffentlich) aussichtsreiches Investment – die oben erwähnte Petrol Ofisi. Mitte Mai wurde der Einstieg der Österreicher vollzogen.

Für einen Anteil von 34 Prozent wurden 1,054 Milliarden US-Dollar auf den Tisch geblättert, ergo wurde die komplette Gesellschaft (zu aktuellen Umrechnungskursen) mit 2,44 Milliarden Euro bewertet, was einem Aktienkurs von 11,23 türkische Lira entspricht. Aktuell notiert die Aktie mit 4,82 Lira. Natürlich ist beim Einstiegspreis ein Aufpreis durch die Kontrollprämie zu berücksichtigen, dass der Titel jetzt aber deutlich günstiger zu haben ist als die OMV dafür bereit war zu zahlen, verwundert schon. Hat sich das OMV-Management also verkalkuliert? Der Einstiegspreis war sicher nicht günstig, immerhin wurden knapp 700.000 Euro je Petrol-Tankstelle gezahlt – um etwa 1,5 Millionen baut die OMV normalerweise hochmoderne Treibstoffverkaufsanlagen mit angeschlossenem Viva-Shop. Die typische Petrol-Tankstelle kann da bei weitem nicht mithalten. War also der Einstieg teuer? Kurzfristig betrachtet sicher, doch das Ganze muss unter einem langfristigen Horizont betrachtet werden: Petrol Ofisi verfügt in der Türkei über ein mehr oder weniger flächendeckendes Tankstellennetz (3500 Stück) und hält einen Marktanteil von 35 Prozent. Damit sind sicher einige der besten Standorte bereits im Besitz der Türken. Und zumindest theoretisch sieht die Zukunft golden aus. Zuletzt lag die Automobildichte in der Türkei bei 64,88 Stück pro 1000 Einwohner, in Österreich sind es 533,35. Da errechnet sich eine hohe theoretische zusätzliche Absatzmöglichkeit an Treibstoffen.

Doch die OMV wurde von den Türken nicht nur an Bord geholt, um ihr Know-how im Tankstellengeschäft anzapfen zu können. Mittelfristig geht es um die Erweiterung der Wertschöpfungskette, eine vertikale Integration mittels Einstieg in das Raffineriegeschäft – ebenfalls ein Know-how-intensives Geschäft. Laut BP verfügen die türkischen Raffinerien (vor allem Tupras) über eine Kapazität von 613.000 Barrel pro Tag.

Das ist bereits jetzt knapp, die Lücke soll sich aber Schätzungen zufolge in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf 100.000 bis 300.000 Barrel ausweiten. Für Raffinerien verspricht das ein gutes Geschäft zu werden. Damit es nicht zu gut wird, vergibt die Regierung in Kürze zumindest eine neue Konzession zur Errichtung einer Raffinerie. Klar, dass sich darum Petrol Ofisi bewirbt. Es soll sich dabei um eine Raffinerie mit einer Kapazität von zumindest 100.000 Barrel handeln, die in der Nähe von Ceyhan angesiedelt ist. Grund: In Ceyhan endet die neue BTC-Pipeline (Baku-Tbilisi-Ceyhan), die vor allem Öl vom Kaspischen Meer und Zentral-Asien in den Westen pumpen soll – und damit Russland als Transitland umgeht. Alles schön und gut, doch der Bosporus ist mittlerweile dermassen mit Ölfrachtern überladen, dass das schwarze Gold jetzt bereits vorher abgefangen werden soll, um es weiterzuverarbeiten – Petrol Ofisi steht dafür Gewehr bei Fuss.

Bewertungskennzahlen stimmen optimistisch

All das sind natürlich langfristige Entwicklungen, doch Kurspotenzial sollte die Aktie bereits vorher aufweisen. Dafür spricht zumindest der Vergleich mit europäischen Konkurrenten aus dem Downstreambereich (wir verwendeten als Peer Group-Unternehmen, deren EBIT im Vorjahr zumindest zu 50 Prozent aus dem Raffinerie- und/oder Tankstellengeschäft kam). Vergleicht man da die für nächstes Jahr geschätzten EBITDA-Margen mit dem Verhältnis aus Unternehmenswert zu EBITDA (siehe Grafik), errechnet sich ein Kurspotenzial von knapp 30 Prozent. Ähnlich die Situation bei einem Vergleich des KGV – hier ist Petrol Ofisi um 27 Prozent günstiger bewertet.

Robert Gillinger
http://www.boerse-express.com/abo



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