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11. September 2006 22:48
Landing, 11092001
Ja, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich melde mich aus dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Immer wieder sind wir von Schüssen umgeben, wenn wir unsere Köpfe aus den Höhlenlöchern strecken. Durch einen Kopfschuss wäre alles aus. Und vorbei. Aber: Immer noch Zeit genug, um sich die wesentlichen Fragen der menschlichen Existenz zu stellen, während das Leben im Schnelldurchlauf vorbeizieht: „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“ Zapp in ein anderes Leben. Der lange Bärtige hatte an der Rezeption eines weißen Hauses in Washington, DC einen Zettel hinterlassen mit der lakonischen Anmerkung: „Bin baden.“ Seither wird diesem Hinweis nachgegangen. In den Höhlen des afghanisch-pakistanischen Grenzgebiets wird Attas Flugkurve gerühmt. Der Dunst der Wasserpfeifen beflügelt die Phantasie. Einem Adler gleich sei Atta über Manhattan gekreist, dann hinuntergestochen wie Toni Innauer bei seinem legendären Sieg am Holmenkollen (1975). Toni Innauer, geboren am 1. April 1958 in Bezau. Wo war Atta? Wer bin ich? Woher, wohin ...
Jetzt wurde bei den Bartträgern in den Grenzhöhlen auch Kritik an Atta laut. Wortfetzen in der wasserpfeifenrauchgeschwängerten Luft. „Adler? Dass ich nicht lache!“, rief Yussuf, „dass ich nicht lache!“ Alle lachten. Die Bärte vibrierten. „Weil“, sagte Yussuf, „Atta hat bei Gott keinen Telemark gesetzt.“ Yussuf, geboren am 21. Juli 1948 als Steven Demetri Georgiou in London. Wo war Atta? Wo war Atta, als aus Steven Demetri usw. Cat Stevens wurde, aus Cat Yussuf Islam usw. „Bist du deppert“, brüllte Bin Baden, „bist du deppert, von Gott verlassen!? Wie soll der Atta bitte mit einem Flugzeugfahrgestell einen Telemark setzen? Arschlöcher!“ Das war zu viel. „Woher kommen wir“, fragte er, „wohin gehen wir?“ Er feuerte aus seiner AK 47 ein paar Salven in Richtung Wasserpfeifen. Im Höhlensystem schepperte es. „Verkiffte Hippiearschgesichter!“ Otto bin Muhammad bin Awad Bin Baden, geboren 1957 in Riad als siebzehntes von 52 (oder 54 oder 57) Kindern eines wohlhabenden Bauunternehmers. Otto Bin Badens Mutter freute sich über den Kleinen sehr und als sie im Supermarkt gemischtes Faschiertes kaufen wollte, beugte sich die Wurst- und Fleischwarenverkäuferin über den Kinderwagen und rief: „Beim Herrn, ist die lieb.“ Es sei ein Junge, entgegnete Bin Badens Mutter mit finsterem Blick. Er heiße Otto Bin. Otto erbte den finsteren, durchdringenden Blick seiner Mutter. Im Alter von vier Jahren rutschte Bin Baden in Jeddah auf dem Weg ins öffentliche Hallenbad auf einer imperialistischen Bananenschale aus und schlug sich die Knie wund. Vergeblich hatte er noch versucht, mittels Telemark sanft aufzusetzen. Leider, die Sprungrichter bestrafen so etwas gnadenlos. Das gibt Abzüge! „Scheiß Westen, scheiß Amis, scheiß Sprungrichter!“, entfuhr es dem 4-jährigen Otto Bin Baden. Wo war Atta? Wo war ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?
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